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An der Eingangspforte begrüßt uns Gustav Lüschen, Ehrenvorsitzender des Ziegeleivereins. Marita (li) und Jana (re) sind schon sehr gespannt.

In Westerholt, einer der ältesten Ortschaften der Gemeinde Wardenburg, gab es im vorigen Jahrhundert ein reichhaltiges Tonvorkommen. Der vorgefundene Ton eignete sich sehr gut zur Herstellung von Ziegelsteinen, Dachziegeln und Töpferei-Waren. Insgesamt wurden im vorigen Jahrhundert im Gemeindegebiet fünf Ziegeleien betrieben. Im Jahr 1845 stellte der Schmied und Landwirt Diedrich Teebken aus Oberlethe für sein 7 Hektar großes Grundstück in Westerholt einen Bauantrag für den Betrieb einer Ziegelei.
Bereits im Jahre 1824 hatte er versucht eine Branntwein-Brennerei zu errichten. Dieser Antrag wurde jedoch von den großherzoglichen Behörden in Oldenburg abgelehnt. Diedrich Teebken hatte festgestellt, dass auf seiner bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche gute Tonschichten vorhanden waren, die für die Ziegelherstellung genutzt werden konnten.
So begann er bald darauf, in der Schmiede auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb die für die Ziegelei notwendigen Geräte selbst herzustellen.
Die Ziegel-Brennsaison ging in der Regel von April bis Oktober. Um erfahrene Ziegelei-Facharbeiter zu bekommen, stellte Diedrich Teebken lippische Wanderziegler ein.

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Hier sind wir vor dem Trockenschuppen. Darin mussten die Rohlinge je nach Wetterlage drei bis vier Wochen lagern.

Während der Ziegel-Brennsaison hatten die Facharbeiter aus Lippe-Detmold im Landgasthof Willers in Westerholt auf der Diele ihre Unterkunft. Da während der Sommermonate die Pferde und Kühe auf die Weide getrieben wurden, konnten die Stallungen von den Wanderzieglern als Nachtquartier genutzt werden. In den Wintermonaten kehrten die Ziegeleiarbeiter aus Lippe-Detmold zum Teil zu ihrem ersten Wohnsitz zurück. In den folgenden Jahren haben jedoch auch einige Wanderziegler in Westerholt Familien gegründet. Familiennamen wie beispielsweise Brockmann, Jürgens, Kirchhoff oder Wilmsmann sind in der Gemeinde Wardenburg Namen von zugezogenen Wanderzieglern.
Die Arbeit in der Ziegelei Westerholt war lange Zeit schwere Handarbeit. Die Tonerde wurde aus der sogenannten Tonkuhle im Tagebau mit Spaten und Schubkarren abgebaut. Pferdegespanne mit dreirädrigem Kipperfahrgestell, die im niederdeutschen "Wippe" genannt werden, transportierten die Tonerde zu einem Holzbottich mit sechs Metern Durchmesser und fünfzig Zentimetern Höhe.

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Seitenansicht: Ringofenhaus, Trockenschuppen und im Hintergrund das Maschinenhaus.

In diesem Bottich war ein Rührwerk installiert, das durch Zugpferde bewegt wurde. Die Tonerde wurde mit einer bestimmten Menge Sand und Wasser vermischt. Die Mischung konnte, nachdem sie zu einer breiigen Masse verrührt war, in Formen gefüllt werden. Die geformten Rohlinge mussten je nach Wetterlage drei bis vier Wochen in einem Trockenschuppen lagern. Anschließend wurden sie im Feldbrand-Verfahren gebrannt. In einer Saison wurden etwa 120.000 handgeformte Steine und 20.000 Dachziegel hergestellt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wollte Diedrich Teebken die bis dahin mit landwirtschaftlichem Gerät arbeitende Ziegelei erweitern und dem damaligen Industriestandard anpassen. Er kaufte Maschinen für die industrielle Ziegelherstellung und eine Dampfmaschine. Es kam jedoch der Erste Weltkrieg dazwischen. In der Zeit von 1914 bis 1918 wurde der Ziegeleibetrieb eingestellt, da sowohl Diedrich Teebken als auch die gesamte Belegschaft in den Krieg eingezogen wurden.
Nach Kriegsende konnte der Betrieb mit viel Mühe mit einem „Deutschen Brennofen" wieder aufgenommen werden. Dieser Ofen brannte jedoch 1923 vollkommen aus. So wurde 1925 ein Ringofen gebaut, der bis zum heutigen Tag erhalten blieb.

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Hier sind wir auf dem Weg in den Ringofen.

Die Planungen und Entwürfe für diesen „Hoffmannschen Ringofen" erstellte das Bauunternehmen Niestrath aus Bielefeld. Nach der Weltwirtschaftskrise und der Einführung der Reichsmark war Diedrich Teebken für den Bau dieses Ringofens auf einen amerikanischen Geldgeber angewiesen. Trotz der hohen Zinsen von 24 % für das Darlehen wurde der neue Ringofen gebaut. Durch die verbesserte Ziegeleianlage konnte die Produktion in den 30er Jahren gesteigert und das Darlehen samt Zinsen zurückgezahlt werden.
1933 waren 16 Mitarbeiter in der Ziegelei beschäftigt. Der Stundenlohn eines Ziegelarbeiters betrug 38 Reichspfennige. Bei einer Arbeitszeit von bis zu 70 Stunden pro Woche verdiente ein Arbeiter also etwa 27 Reichsmark . Zum Vergleich: 1.000 Ziegelsteine kosteten damals auch 27 Reichsmark.
Die Jahresproduktion der Ziegelei lag bei 1,3 Millionen Ziegelsteinen, 50.000 Dachziegeln und 80.000 Deckensteinen. Als Heizmaterial wurde überwiegend Schwarztorf aus der Umgebung und in kleinen Mengen Kohle verwendet. Pro Saison lieferten die Landwirte aus den umliegenden Mooren etwa 1.000 Fuder Torf an. Ein Fuder (ca. 4 Kubikmeter Torf) kostete 1933 fünf bis sieben Reichsmark.

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Im Ringofen erklärt uns Gustav Lüschen das Brennen von Ziegel und Steinen

Die Jahresproduktion stieg Ende der 30er Jahre auf zwei Millionen Ziegelsteine an. Diedrich Teebken beschäftigte zu der Zeit 26 Ziegeleiarbeiter. Die Steine wurden mit Pferd und Wagen bis zu den Baustellen im Gemeindegebiet ausgeliefert. 1938 wurden die Pferdegespanne durch eine Zugmaschine vom Fabrikat Lanz-Bulldog ersetzt. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Ziegeleiproduktion für sieben Jahre eingestellt. Die Kriegsschäden an der Ziegelei waren groß. Eine Luftmine, die in der Nähe der Ziegelei explodierte, hatte große Risse im oberen Teil des Ringofenschornsteins verursacht. Um den drohenden Einsturz des Schornsteins zu verhindern, mussten im oberen Teil sieben Meter abgetragen werden.
Die veraltete Dampfmaschine aus den 20er Jahren wurde nach Marokko verkauft und durch einen Dieselmotor ersetzt. Die übrigen Maschinen waren mittlerweile verrostet oder unbrauchbar geworden. Große Teile der Trockenschuppen waren durch Spreng- oder Brandbomben beschädigt worden. Als Dirk Teebken, ein Enkel des Ziegeleigründers, aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, hatte er den Glauben an den Wiederaufbau der Ziegelei nicht aufgegeben. In harter Arbeit baute er zusammen mit 25 bis 27 Arbeitern den Ziegeleibetrieb wieder auf. Der kürzere Ziegeleischornstein erbrachte nicht mehr ausreichend Zugluft, die für den Brennprozess nötig war.

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Der "zu kurze" Schornstein ist inzwischen zum Wahrzeichen geworden

Daher musste mit einem Gebläse Luft zugeführt werden. Mehrere Heimatvertriebene fanden in der Ziegelei nach dem Krieg ihre erste Arbeit. Die Ehefrau des damaligen Ziegeleibesitzers, Frau Elli Teebken, versorgte anfangs einen Teil der Arbeiter mit Mittagessen. In den folgenden Jahren hätte die Produktionstechnik weiter verbessert werden müssen. Der Wettbewerb in der Ziegelindustrie wurde immer härter. Dirk Teebken schätzte den Betrieb seiner „kleinen Ziegelei in Westerholt" als unrentabel ein. Die Produktion von Ziegeln wurde eingestellt und der Betrieb am 31.12.1966 für immer geschlossen. Die Maschinen wurden verkauft oder verschrottet.
1990 erteilte der Landkreis Oldenburg auf Antrag des Eigentümers die Abrissgenehmigung für die gesamte Ziegelei. Doch schon ein Jahr später gründete sich der Förderverein Alte Ziegelei Westerholt e.V. mit dem Ziel, die Ziegelei zu erhalten und als Industrie-Museum aufzubauen. Dadurch sollte auch nachfolgenden Generationen ein Stück Industriegeschichte erhalten bleiben, welches die Herstellung von Ziegeln in der mühsamen Handarbeit der Ziegeleiarbeiter zeigt. Dank des außergewöhnlichen Einsatzes einiger Westerholter Bürger konnte so der Abriss der Ziegelei im letzten Moment verhindert werden.

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An Hand einer Schautafel kann man den vollständigen Prozess der Ziegelherstellung viel besser verstehen.

Die Gemeinde Wardenburg hatte das Ziegelei-Gelände 1991 gekauft und es langjährig an den Förderverein verpachtet. Weitere Unterstützung erhielt der Förderverein durch den Landkreis Oldenburg, die Bezirksregierung Weser-Ems, die Oldenburgische-Landschaft und die Fachhochschule Oldenburg sowie durch die vielen Spender und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Dadurch konnte der neugegründete Förderverein „Alte Ziegelei Westerholt e.V." die stillgelegte Ziegelei wieder aufbauen und als Ziegelei-Museum einrichten. Die ersten Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten erfolgten 1992 in einer Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme. Bei der Sanierung musste der Ringofenschornstein um zwei Meter gekürzt werden. Mit den dabei freiwerdenden Spezial-Schornsteinziegeln wurden Schadstellen in dem 30 Meter hohen Ringofenschornstein ausgebessert. 1993 wurde ein neuer Dachstuhl für den Ringofen hergestellt. Die drei kleinen Trockenschuppen sowie der große Trockenschuppen konnten 1994 erneuert werden. Danach wurde die Renovierung in ehrenamtlicher Arbeit fortgesetzt. Der Verein war inzwischen auf ca. 70 Mitglieder angewachsen. Unter den Vereinsmitgliedern befinden sich heute kompetente Fachleute aller Berufsgruppen.

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Auf dem Ringofen, vor der Brennmeisterhütte.

Nachdem 1996 der alte morsche Dachstuhl des Maschinenhauses entfernt worden war, konnten die von anderen Ziegeleien gestifteten Maschinen von Vereinsmitgliedern abgeholt und mit einem Autokran in das Maschinenhaus gesetzt werden. Die Beschaffung der Ziegeleimaschinen aus Bad Lausick bei Leipzig, aus dem Magdeburger Raum, aus Rhauderfehn und Stade bei Hamburg organisierten unsere beiden
Vereinsmitglieder, Freiherr Georg von Frydag und Herr Werner Niestrath. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Seit 1995 beteiligt sich die „Alte Ziegelei Westerholt" regelmäßig an dem einmal jährlich stattfindenden „Tag des offenen Denkmals". Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, zahlreichen Zeitungs- und Radioberichten, fachkundige Führungen und die Einbindung in örtliche Strukturen, stiegen die Besucherzahlen ständig an.

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Im Maschinenhaus sehen wir, wie der Tonstrang in kleine Stücke (den späteren Steinen) geschnitten wurde.

Im Jahr 1997 haben 3.200 Personen das Industrie-Museum „Alte Ziegelei Westerholt" besichtigt. Die Besucherzahl konnte 1998 auf 4.200 Personen gesteigert werden. Allein am „Tag des offenen Denkmals", an dem das Klinkerwerk Röben einen Feldbrand-Ofen auf dem Ziegeleigelände in Betrieb setzte, wurden 1.250 Besucher gezählt. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle einen sozialen und pädagogischen Bestandteil unseres Konzeptes für den Aufbau des Museums.

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Hier verabschieden wir uns von Gustav Lüschen, unserem freundlichen und netten Museumsführer

Abschließend muss noch erwähnt werden, dass die Arbeit mit dem Preis für Denkmalspflege der Niedersächsischen Sparkassenstiftung gewürdigt wurde. Das Preisgeld wurde für den Ausstellungsraum verwendet. Fazit: Wir haben Euch einige „Meilensteine" in der Entwicklung des relativ jungen Ziegeleimuseums aufgezeigt. Am besten, ihr kommt auch einmal nach Wardenburg-Westerholt und erlebt alles selbst.
Marita und Jana