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Ringofensanierung in vollem Gange

Das geschädigte Mauerwerk (Bild Edgar Ruhm)

1990 sollte die Ziegelei vollständig abgerissen werden. Daraufhin gründete sich der Museumsverein mit der Zielsetzung, die Ziegelei zu restaurieren und bereits verfallende Teile wieder herzurichten. Besonders der Ringofen ist in den letzten Jahren durch Feuchtigkeit sehr stark geschädigt worden. Außerdem ist das Ziegelmauerwerk des Ofens an mehreren Stellen defekt und man erkennt deutliche Salzausblühungen. Die Fachhochschule Oldenburg hat sich der Sache angenommen. Die Schäden am Bauwerk wurden aufgenommen, analysiert und Vorschläge zur Restauration und Erhaltung des Ringofens gemacht. Die Studentin Miriam Jacobs hat in ihrer Bachelorarbeit Schritte zur Problemlösung aufgezeigt. Derzeit sind meist 10 Arbeiter damit beschäftigt, gemäß den Aussagen dieser Arbeit, die schadhaften Stellen des Mauerwerks abzutragen und durch ein neues zu ersetzen. Verbunden mit der Erprobung und Beschaffung geeigneter Baumaterialien. Eine schwierige und zugleich interessante Tätigkeit, wie sie in dieser Form nur selten beobachtet werden kann.

Die Abbrucharbeiten am durch Salze und Wasser angegriffenen Mauerwerk. (Bild: Edgar Ruhm)

Das angegriffene Mauerwerk des Ringofens

Das Mauerwerk des Ringofens machten ein sehr schlechtes Bild - andauernde Feuchtigkeit und entstandene Salze hatten es zu einem grossen Teil angegriffen. Es musste überlegt werden, wie man damit umgeht, um die einzigartige Möglichkeit des Darstellens der Ziegelbrennerei im Westerholt der Anfänge des 20. Jahrhunderts noch möglichst vielen Generationen zu erhalten.

So wurde nach dem Freilegen einer Probefläche des Außenmauerwerks des Ringofens eine umfangreiche Bestandsaufnahme gemacht, wobei uns z.B. folgende Fragen interessierten:

Danach entwickelten wir ein Konzept zum Erhalt des Ringofens, welches dem entscheidenden Kriterium, nämlich die praktische Umsetzbarkeit unter den gegenwärtigen Bedingungen, genügen musste. Das betraf die das Gebäude schonende Auswahl des Baumaterials und die Einsetzbarkeit der Mitarbeiter der stattfindende AGH-Maßnahme für Arbeitssuchende genauso wie last but not least die Finanzierung, die einem ja viele Striche durch die schönsten Pläne machen kann.

Mittlerweile sind wir schon fast ein 3/4 Jahr in der Ziegelei am Werk - alle Leser sind herzlich eingeladen, sich ein Bild vom bisher erreichten zu machen und vorbei zu kommen. Die Ziegelei ist täglich von 8.00 - 14.30 Uhr besetzt, man kann aber auch ausserhalb dieser Zeit Besichtigungstermine telefonisch vereinbaren.

Den Mitarbeitern der AGH-Maßnahme sei an dieser Stelle einmal ganz herzlich gedankt - sie haben unwahrscheinlich viel geleistet und sind hochmotiviert bei der Arbeit.

Konzept zum Erhalt des Erscheinungsbildes...

und zur punktuellen Ausbesserung relevanter Teile des Mauerwerks des Ringofens in der Alten Ziegelei Westerholt.

Es folgt das Konzept, nach dem wir unsere Arbeit ausgerichtet haben:

Der kontrollierte Abtrag eines kleinen Teils der Aussenhaut des Brennofens und die Begutachtung des dadurch entstandenen Schnittes von der Rollschicht bis zum Fundament hat ergeben, dass das ursprünglich angedachte Konzept des vollständigen Rückbaus des Außenmauerwerks mit anschliessendem Wiederaufbau mit sortierten alten und ausgesuchten in Form, Format und Farbe passenden Steinen einschliesslich der Verwendung einer zweckmässigen Mörtelmischung zu aufwändig ist.

Hierdurch würde der fortschreitende Verfall des Mauerwerks bei höchstem Aufwand lediglich in einem nicht zu vertretendem Maße verlangsamt. Der Verwitterungsprozess eines Grossteils der ursprünglich vermauerten Steine ist durch den lang anhaltenden ungeschützten Einfluss von Regen und Frost stark fortgeschritten. Die Zahl der Steine, deren äusserer Bereich bis zu einer Tiefe von 3 - 4 cm verwittert ist, beträgt mindestens 40 %. Der hintere Teil der äusseren Zweisteinwand liegt vor nassem Sand und hat des öfteren ein ähnliches Erscheinungsbild wie der vordere. Die auch durch sehr vorsichtigen Rückbau der Mauer entstehenden defekten Steine sind zusammen mit den ohnehin unbrauchbaren kaum in ganzer Zahl zu ersetzen.

Auf der Basis der bisher gewonnenen Erkenntnisse empfiehlt sich im Hinblick auf die praktische Nutzung des Ringofens (anschauliche Erklärungsmöglichkeit der Funktion und Wirkungsweise, Herzstück des Museums, Präsentationsfähigkeit etc.) die folgende Vorgehensweise:

Das Wiederaufmauern des für Analysezwecke abgetragenen Mauerwerks mit sortierten alten und ausgesuchten Fremdsteinen.

Hierbei wird auf ein ursprüngliches, einheitliches Erscheinungsbild des Sichtmauerwerks geachtet. Die Verwendung eines traditionellen Kalkmörtels der Mörtelgruppe I mit Kalteig oder Weisskalk im aufsteigenden Mauerwerk und eines der Mörtelgruppe II. Eine Verwendung des ursprünglich verwendeten Lehmmörtels hat den gravierenden Nachteil, dass er durch die anhaltende Feuchte von hinten durch den verfüllten Sand und durch hohe Luftfeuchtigkeit die Tendenz hat, eine fliessfähige Konsistenz zu erreichen.

Die Verwendung von hydraulischen Mörteln mit Zement, Traß oder hydraulischem Kalk ist riskant für das alte Mauerwerk: Sie enthalten ausblühfähige Schadsalze, fördern die Bildung von Treibmineralien, verursachen durch Temperaturbelastung wassersaugende Kapillarrisse und halten das eingedrungene Wasser zurück.

Sorgfältiges Ausstemmen defekter Mauerteile mit der Verzahnung bis zu einem Bereich von ca. 0,5 qm und einsetzen von passenden Steinen mit dem o.a. Mörtel.

Für das restliche Sichtmauerwerk empfiehlt sich ein Herauslösen verwitterter Bestandteile mit anschliessendem Einsetzen von passenden selbsterstellten Riemchen bis hin zu eventuell notwendigen ganzen Steinen mit dem o.a. traditionellen Kalkmörtel und sorgfältiger Auswahl der Menge für ein akzeptables Erscheinungsbild, da es in der Gesamtheit nicht leistbar ist.

Da diese Form des Erhalts des äusseren Erscheinungsbildes fortschreitend sein soll, werden nach und nach grössere Teile der Sichtfläche haltbarer.